WM 2018: Die Gastgeberstadt Moskau

Die Weltmeisterschaft 2018 in Russland steht vor der Tür, die ganze Welt wird zwischen dem 14. Juni und dem 15. Juli in den Osten Europas schauen. Deutschland, Spanien, Frankreich und Brasilien gelten als die großen Favoriten. Die Russen wollen sich als guter Gastgeber präsentieren, die Spiele werden in insgesamt elf Städten stattfinden, zwei der größten Stadien befinden sich in der russischen Hauptstadt Moskau: Das Olympiastadion Luschniki und das Spartak-Stadion. Wir haben uns mit den Spielstätten sowie der Stadt als solches auseinandergesetzt und präsentieren die wichtigsten Fakten rund um eine der kältesten Hauptstädte Europas.

Die Eckdaten für die Hauptstadt der Russischen Föderation

Moskau ist die Hauptstadt der Russischen Föderation und mit insgesamt 12,4 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Europas. Gegründet wurde sie im Jahr 1147, archäologische Ausgrabungen haben allerdings bewiesen, dass es schon vor etwa 5000 Jahren hier menschliche Ansiedlungen gegeben hat. Inzwischen ist die russische Hauptstadt mit acht Fernbahnhöfen, drei internationalen Flughäfen und drei Binnenhäfen der wichtigste Verkehrsknotenpunkt des riesigen Landes und die größte Industriestadt von Russland. Es versteht sich wohl von selbst, dass hier einige der wichtigsten und bedeutendsten Spiele der Weltmeisterschaft stattfinden werden.

Die Sehenswürdigkeiten in Moskau

Wie es sich für eine europäische Großstadt gehört, gibt es in Moskau eine ganze Reihe an Sehenswürdigkeiten. Dazu gehört unter anderem der Kreml. Er gehört zu den ältesten Teilen der Stadt, dort befindet sich der Sitz des russischen Präsidenten. Die Befestigungsanlage wurde im 15. Jahrhundert errichtet, bis auf den heutigen Tag sind Mauern und insgesamt 19 Türme erhalten geblieben. Im Kreml befinden sich eine ganze Reihe weiterer bedeutender Bauwerke, so Mariä-Entschlafens-Kathedrale von 1479, die Verkündigungs-Kathedrale von 1489 und die Erzengel-Kathedrale aus dem Jahre 1509, die Mariä-Gewandniederlegungs-Kirche von 1486, der Facettenpalast aus dem Jahre 1491 sowie der 80 Meter hohe Glockenturm Iwan der Große (Kolokolnja Iwana Welikogo) von 1508. Ein weiteres Highlight ist der Rote Platz, der direkt an den Kreml angrenzt und auf dem sich das Lenin-Mausoleum befindet. Der Name bezieht sich nicht etwa auf etwas Politisches, sondern ist sprachwissenschaftlich herzuleiten. Die russische Bezeichnung „Krasnaja Ploschtschad“ bedeutet eigentlich „Schöner Platz“, doch „Krasnaja“ bedeutet im heutigen russischen Sprachgebrauch rot und nicht schön.

Foto: Olympiastadion Luschniki/Imago/Fassbender

Das Olympiastadion Luschniki

Das größte Fußballstadion Russlands ist das Olympiastadion Luschniki. Es ist ein UEFA-Stadion der Kategorie 4, der höchsten Klassifizierung des Europäischen Fußballverbandes. Die Leninstatue, die vor dem Stadion steht, gehört zu den größten ihrer Art. Nach der letzten Renovierung, die von 2014 bis 2017 stattgefunden hat, bietet das Stadion insgesamt 81.000 überdachte Sitzplätze. Erbaut wurde die Spielstätte im Jahr 1956 unter dem Namen „W. I. Lenin-Zentralstadion“. Das erste Fußballspiel, das hier stattgefunden hat, war die Partie zwischen der sowjetischen und der chinesischen Nationalmannschaft, welches die Gastgeber mit 1:0 gewinnen konnten. Für die olympischen Sommerspiele des Jahres 1980 wurde das Stadion ausgebaut und bot danach Platz für insgesamt 103.000 Zuschauer. Es bildete das Herz der Spiele von Moskau. In ihm fanden neben der Eröffnungs- und Schlussfeier auch die Wettbewerbe in der Leichtathletik, das Finalspiel des Fußballturniers und die Einzelkonkurrenz im Springreiten statt. Folgende Großveranstaltungen fanden in den vergangenen Jahren außerdem hier ihre Heimat:

  • Die Eishockey Weltmeisterschaft 1957
  • Die Olympischen Sommerspiele 1980
  • Der Leichtathletik Europacup 1985
  • Das Moscow Peace Festival 1989
  • Das Russische Pokalfinale in den Jahren 1993, 1994, 1995, 1998, 1999, 2002, 2006, 2007
  • Das Finale des UEFA-Pokals 1999
  • Das Finale der UEFA Champions League 2008
  • Die Leichtathletik Weltmeisterschaft 2013

Nach den umfangreichen Renovierungs- und Umbaumaßnahmen wurde das Stadion am 11. November mit dem Freundschaftsspiel zwischen Russland und Argentinien wiedereröffnet. Vor 78.750 Zuschauern sicherten sich die Gäste durch den Siegtreffer von Sergio Agüero in der 86. Minute einen knappen Sieg. Der Fußballverein Spartak Moskau absolvierte hier bis 2013 seine Heimspiele, auch Torpedo Moskau gehört zu den Eigentümern des Stadions. Während der Weltmeisterschaft 2018 werden sowohl das Eröffnungsspiel als auch das Finale im Olympiastadion Luschniki stattfinden.

Die Katastrophe von 1982

Zu trauriger Berühmtheit kam das Stadion am 20. Oktober 1982. Damals spielte Spartak Moskau gegen den HFC Haarlem im UEFA-Pokal und es kam zu einer schrecklichen Tragödie. Die Begegnung war mit knapp 10.000 verkauften Karten nur sehr schlecht besucht, weshalb nur eine Tribüne und nur ein Zugang geöffnet waren. Als kurz vor dem Abpfiff führten die Gastgeber mit 1:0, hunderte Besucher wollten die Partie bereits vorzeitig verlassen. Doch in der Nachspielzeit fiel das zweite Tor für Moskau, viele Fans strömten wieder zurück. Diese trafen dann auf die Besucher, die das Stadion verlassen wollten und es kam zu einer Panik. Dabei wurden viele Menschen schwer verletzt und zu Tode getrampelt. Offiziell starben damals 66 Menschen, andere Quellen jedoch berichten von 340 Opfern. Der Torschütze zum 2:0, Sergej Schwetsow, sagte später: „Ich wünschte, ich hätte dieses Tor nie geschossen.“ Der spätere Tennisprofi Andrei Tschesnokow, der damals als 16-jähriger das Spiel besuchte, beschrieb einige Zeit später mit schockierenden Worten das Geschehen: „Auf den glatten Treppen gab es Stürze; jeder fiel über jeden. Es war ein Domino-Effekt. Man kam nicht weg, das Stahlgeländer bog sich unter dem Gewicht der Menschen. Sie wurden einfach zu Tode gequetscht. Ich war auch eingeklemmt, aber ich schaffte es wegzukommen, indem ich über das Geländer sprang. Ich gelang in Sicherheit mitten durch eine Reihe von Körpern. Die meisten waren tot, einige streckten mir ihre Hände entgegen, um gerettet zu werden, aber sie steckten unter einem Menschenhaufen fest. Ich schaffte es, einen Jungen rauszukriegen und ihn zu einem Krankenwagen zu bringen. Aber sie konnten nichts mehr für ihn tun, er war tot. Unten sah ich Reihen von Körpern. Ich alleine sah mehr als hundert in dieser Nacht.“ Die sowjetische Staatsführung schwieg das Unglück damals komplett tot.

Diese Spiele finden im Olympiastadion statt

  • Russland gegen Saudi-Arabien am 14. Juni
  • Portugal gegen Marokko am 20. Juni
  • Dänemark gegen Frankreich am 26. Juni
  • Deutschland gegen Mexiko am 17. Juni

Außerdem wird es ein Achtelfinale, ein Halbfinale und das Finale zu sehen geben.

Foto: Otkrytije Arena/Imago/ITAR-TASS

Die Otkrytije Arena (Spartak-Stadion)

Die zweite Spielstätte für die Weltmeisterschaft 2018 wird die Otkrytije Arena, oder, wie sie während der Weltmeisterschaft heißen wird, das „Spartak-Stadion“. Insgesamt werden 45.360 Zuschauer in dem Stadion Platz finden. Es handelt sich um ein sehr junges Stadion, das am 27. August 2014 eröffnet wurde. Es ist seither die neue Heimstätte von Spartak Moskau. Im Gegensatz zu allen anderen Moskauer Vereinen war es Spartak nie vergönnt gewesen, ein eigenes Stadion zu besitzen, denn der Verein wurde in der Sowjetzeit von keinem Ministerium oder von der Partei protegiert. Erst nach der Wende 1991 konnte daran gedacht werden, dem Verein ein eigenes Stadion zu bauen. Allerdings verzögerte sich der Neubau immer wieder aus den unterschiedlichsten Gründen. So sollte in der Nähe des Botanischen Gartens gebaut werden, doch Umweltschützer und Anwohner protestierten erfolgreich gegen dieses Vorhaben. Schließlich konnte 2006 in der Nähe des ehemaligen Flugfeldes Tuschino ein bezahlbares Gelände gefunden werden. Das erste Spiel, am 5. September 2014 zwischen Roter Stern Belgrad und Spartak Moskau, endete mit einem 1:1 Unentschieden. Insgesamt flossen 14,5 Milliarden Rubel in dieses Projekt.

Diese Spiele finden im Spartak Stadion statt

Für die Weltmeisterschaft wurden verschiedene Spiele in das Spartak-Stadion gelegt. Darunter die Gruppenspiele:

  • Argentinien gegen Island am 16. Juni
  • Serbien gegen Brasilien am 27. Juni
  • Belgien gegen Tunesien am 23. Juni
  • Polen gegen Senegal am 19. Juni

Ferner wird es das Achtelfinale am 3. Juli zu sehen geben.

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