Leon Goretzka einer der Stars der WM 2018?

Um Leon Goretzka ist seit seiner bärenstarken Auftritte beim Confederations Cup in Russland ein wahrer Hype ausgebrochen. Der junge Mittelfeldspieler, der mit dem deutschen Perspektivteam das Turnier gewann, hat sich gemeinsam mit Stürmer Timo Werner nachhaltig für einen Platz im Kader der DFB-Auswahl für die WM 2018 in elf Monaten empfohlen. Hat der Youngster des FC Schalke 04 gar das Zeug, einer der Stars bei der kommenden WM-Endrunde zu werden? Zwar wird man dem 22-Jährigen keinen großen Gefallen tun, ihm jetzt schon solch einen großen Rucksack umzuschnallen, unter dessen Gewicht schon andere zusammengebrochen sind. Aber mit seinen Leistungen bei der WM-Generalprobe hat Goretzka selbst dazu beigetragen, dass die Erwartungen an ihn gewaltig sind.

Goretzka: Confed Cup als Chance voll genutzt

Mit drei Toren und einer Vorlage hatte Leon Goretzka maßgeblichen Anteil daran, dass Deutschland erstmals den Confed Cup gewonnen hat. Und Bundestrainer Joachim Löw darf sich auf die Schulter klopfen, dass sein Experiment, mit einer jungen, unerfahrenen Mannschaft, die vornehmlich aus Spielern aus der zweiten Reihe besteht, voll aufgegangen ist. „Dieses Turnier ist eine gute Gelegenheit, sich zu zeigen“, ließ der gebürtige Bochumer im Vorfeld des Wettbewerbs wissen. Und Goretzka hat die Chance beim Schopfe gepackt und nun sehr gute Aussichten, kommendes Jahr in Russland dabei zu sein. Kein Wunder, den der hochbegabte Mittelfeldspieler war unter den vielen jungen Wilden die größte Entdeckung und wird mit seinen spielerischen Fähigkeiten und Fertigkeiten eine Verstärkung für die DFB-Elf darstellen.

Alleskönner Goretzka: Das sind seine Stärke

Vor allem seine Variabilität kommt Goretzka sehr zu Gute. „Er kann im Mittelfeld auf verschiedenen Positionen spielen. Diese Klasse hat er einfach“, lobte Löw. Nicht umsonst wurde er schon als neuer deutscher Alleskönner im Mittelfeld bezeichnet. Das Mittelfeldjuwel fühlt sich sowohl in der Rolle des Sechsers vor der Abwehr sehr wohl als auch im Antreiber auf der Achter Position weiter vorn. Er besticht mit seiner enormen Spielintelligenz und verfügt über unglaubliche technische und spielerische Qualitäten, überdies ist er sehr laufstark und schnell.

Goretzka strahlt immer wieder Gefahr aus, wenn er aus dem defensiven Mittelfeld in die gefährlichen Räume vorstößt. Mit diesen Fähigkeiten ist es kein Wunder, dass Goretzka bei Löw sehr hoch im Kurs zu stehen scheint, da er über die Qualitäten verfügt, die der Bundestrainer bei Mittelfeldspielern so schätzt. Immer wieder wird er aufgrund seiner Dynamik, Angriffslust, Torgefahr und seiner Antizipation mit Michael Ballack während seiner Hochzeit seines fußballerischen Schaffens verglichen. Wobei Goretzka in Sachen Spieleleganz sogar noch höher einzustufen ist. Darüber hinaus ist der Schalker Youngster sehr bodenständig, kein Typ, mit Star-Allüren. Vielmehr ein Spieler, der sich voll in den Dienst der Mannschaft stellt.

Foto: Ververidis Vasilis / Shutterstock.com

Goretzka setzt Konkurrenz gewaltig unter Druck

Aber nichtsdestotrotz herrscht bei der deutschen Nationalmannschaft gerade im Mittelfeldzentrum ein Hauen und Stechen um die wenigen WM-Plätze. Das Ticket nach Russland hat Goretzka längst noch nicht sicher. Schließlich sind folgende Spieler im defensiven Mittelfeld zu seinen direkten Konkurrenten zu zählen, die man für das WM-Aufgebot in Frage kommen:

  • Toni Kroos,
  • Sami Khedira,
  • Julian Weigl,
  • Ilkay Gündogan,
  • Sebastian Rudy
  • und Emre Can.

Weltmeister Kroos von Real Madrid ist im deutschen Mittelfeldzentrum gesetzt. Und es ist kein Zufall, dass Goretzka ausgerechnet Kroos zu seinen großen Vorbildern zählt. Gegenüber dem „kicker“ ließ er wissen:

„Er spielt extrem beeindruckend, es wäre ein Traum, dieses Niveau mal zu erreichen. Er kann wie kein Zweiter auf der Welt das Spiel und das Tempo so lenken, wie er das will. Derjenige zu sein, der entscheidet, was wie läuft, ist eine beeindruckende Fähigkeit.“

Zwar genießt auch Khedira von Juventus Turin bei Löw ein hohes Ansehen, zumal der Weltmeister-Trainer dafür bekannt ist, auf Spieler zu setzen, die sein Vertrauen regelmäßig mit guten Leistungen zurückzahlen und auf die er sich immer verlassen konnte, auch wenn sie vielleicht auf Vereinsebene nicht immer voll überzeugen konnten und im direkten Vergleich zur Konkurrenz etwas abfallen. Bei BVB-Star Weigl und ManCity-Spieler Güngogan bleibt abzuwarten, wie es um die Formentwicklungen nach ihren langen Verletzungspausen bestellt ist. Doch im Konkurrenzkampf mit Rudy und Can hat Goretzka definitiv die Nase vorn und wird wohl von Löw auch ein Vertrauensvorschuss bekommen. Und mit seinen beeindrucken Auftritten beim Confed Cup hat Goretzka auch die arrivierten DFB-Kicker aus der eigentlich A-Auswahl unter Druck gesetzt, die nun um ihren vermeintlichen Stammplatz im Kader zittern müssen. Hier ist vor allem Gündogan zu nennen.

Kann Goretzka Erwartungsdruck standhalten?

Und es liegt jetzt auch erstmal an Leon Goretzka selbst, die gestiegenen Erwartungen an seiner Person zu erfüllen. Schließlich gehörte er vor dem ‚WM-Casting Confed Cup‘ längst nicht zum Stammpersonal der Adlerträger, sondern kam in erster Linie bei der deutschen U21 zum Einsatz. Bislang hat der technisch beschlagene Rechtsfuß auch gerade einmal erst neun A-Länderspiele bestritten (3 Tore, 1 Vorlage), davon nur zwei in der laufenden WM-Qualifikation, wo er lediglich im Juni gegen San Marino in der Startelf stand und über die volle Distanz ran durfte. Aber seit diesem Sommer hat sich einiges verändert und die Fußballwelt blickt mit anderen Augen auf den Mittelfeldspieler, der sich schließlich auch in die Notizbücher von Top-Klubs wie dem FC Bayern München, Real Madrid oder Juventus Turin gespielt hat.

Goretzka kann WM-Star werden

Aber wenn Goretzka auf Schalke, mit denen er nicht international vertreten ist, nicht ein langes, tiefes Formtief fällt, ist davon auszugehen, dass wir ihn bei der WM 2018 im DFB-Team sehen. Er muss jetzt aber erstmal in der nächsten Saison den Sprung zum festen Bestandteil der deutsche A-Nationalmannschaft schaffen. Dann ist es im zweifelsohne zuzutrauen, dass er bei der Weltmeisterschaft zu einem der Stars des Turniers. Warum auch nicht? Auch wenn die Leistungsdichte und Intensität beim Confed Cup sicher eine andere ist als bei der WM-Endrunde, hat er bewiesen, dass er der Spieler ist, der den Unterschied ausmachen kann. Es ist auch kein Zufall, dass es Goretzka war, der mit seinem Rekord-Doppelpack gegen Mexiko, wo er binnen 109 Sekunden zwei Treffer erzielte und somit den schnellsten Doppelpack eines Spieler in der DFB-Historie schnürte, für Aufsehen sorgte. Er müsste jedoch noch etwas selbstbewusster auftreten und die seine Zurückhaltung etwas über Bord werfen.

Es wäre aber förderlich, wenn er bis zum WM-Start seine sportliche Zukunft geregelt hat, um beim Turnier dem Kopf frei zu haben und befreit aufspielen zu können. Schließlich läuft sein Kontrakt in Gelsenkirchen im Ende Juni 2018 aus und der Transferpoker um seine Person läuft bereits auf Hochtouren.

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