Italien scheitert in den Playoffs für die Weltmeisterschaft an Schweden

Für die italienische Nationalmannschaft ist der Traum von der Weltmeisterschaft 2018 in Russland beendet. Die Mannschaft konnte sich im entscheidenden Playoff Spiel gegen Schweden im San Siro in Mailand nicht durchsetzen und brachte es nicht über ein torloses Remis hinaus. Da das Hinspiel in Schweden mit einer 0:1 Niederlage endete, wird die Weltmeisterschaft zum ersten Mal seit 60 Jahren ohne die Azzurri stattfinden. Ein bitterer und trauriger Moment für eine große Fußballnation, der viermalige Weltmeister ist mit seinem Latein am Ende. Das Spiel selbst war dramatisch, spannend – einem Entscheidungsspiel würdig.

Italiener begannen mit einem Offensivspektakel

Die Italiener begannen, wie nicht anders zu erwarten war, sehr offensiv und erarbeiteten sich zahlreiche, großartige Chancen. Die beste Phase hatten die Gastgeber kurz vor dem Seitenwechsel – in dieser Zeit hätte das 1:0 fallen müssen, die Schweden waren 20 Minuten lang in ihrer eigenen Hälfte gefangen, konnten sich kaum befreien und die Italiener drückten auf das Tor, dass es eine Freude war. Doch irgendwie kam immer ein Skandinavier zwischen dem Ball und das Tor, die Spezialität der Schweden, das rausköpfen gefährlicher Bälle aus dem eigenen Strafraum, wurde zu einem Synonym des Scheiterns der italienischen Mannschaft.

Foto: Imago/Bildbyran

Die Leistung des Schiedsrichters war unterirdisch

Natürlich sollte auch der Schiedsrichter Erwähnung finden, der sich nicht gerade mit guten Leistungen weiterempfehlen konnte. Antonio Mateu Lahoz aus Spanien verweigerte in der neunten Minute den Italienern einen Elfmeter, nachdem Ludwig Augustinsson im Strafraum Marco Parolo einen heftigen Stoß versetzte. Stattdessen gab der Unparteiische die Gelbe Karte an Chiellini, der sich beschwerte. Aber auch die Schweden hätten einen Elfmeter zugesprochen bekommen müssen, als nach einer halben Stunde Andrea Barzagli mit einem klaren Handspiel im eigenen Strafraum eine Torchance verhinderte. Insgesamt ein hartes, intensiv geführtes Spiel, welches das glücklichere Ende für die Schweden bereithielt.

Das Ende einer großen Spielerkarriere: Buffon geht unter Tränen

Für einen war dieser Abend besonders bitter: Torwart-Legende Gianluigi Buffon. Der Ausnahmesportler, inzwischen 39 Jahre alt, hätte in Russland seine insgesamt sechste Weltmeisterschaft absolviert und wäre damit zum alleinigen Rekordhalter geworden. Doch das machte ihm am Ende, typisch Buffon, natürlich nicht zu schaffen: „Es tut mir nicht für mich persönlich leid, sondern für die ganze Mannschaft und das ganze Land. Wir haben etwas verpasst, das auf so verschiedenen Ebenen viel bedeutet hätte“, sagte Buffon ins Fernsehmikrofon. „Aber wir sind stolz und stark. Wir werden versuchen, uns davon zu erholen, wie wir das immer gemacht haben.“ Für ganz Italien sei das Fehlen bei der WM eine „Katastrophe“, meinte Buffon, der im TV-Interview immer noch weinte. „Ich bin traurig, dass meine Nationalmannschaftskarriere so endet“, sagte er. Buffon war bei den letzten beiden Ecken für seine Mannschaft nach vorne geeilt, um so noch irgendwie die Wende zu schaffen. Doch ohne Erfolg. Es bleibt dabei: Die Weltmeisterschaft 2018 wird ohne Buffon und ohne Italien stattfinden.

Buffon, einer der größten Spieler aller Zeiten

Für Buffon endet damit eine ruhmreiche Nationalmannschaftskarriere. Vor dem Spiel zeigte er noch einmal, warum er stets den Ruf hatte und immer noch hat, ein durch und durch fairer Sportsmann zu sein: Während die italienischen Zuschauer während der schwedischen Nationalhymne lautstark pfiffen, klatschte der Keeper und forderte von den Fans auch für den Gegner Respekt. Nach dem Spiel wurde er auch von den Schweden getröstet – einigen sah man auch an, dass es ihnen für einen der größten Fußballer aller Zeiten leid tat, ihm den Traum von der sechsten Weltmeisterschaft verwehrt zu haben. Neben Buffon beendeten an diesem Abend auch Andrea Barzaglo und De Rossi ihre Karrieren in der Nationalmannschaft: Der Umbruch wird eingeläutet.

Eine neue Ära wird in Italien beginnen

Auch Trainer Gian Piero Ventura wird die neue Ära des italienischen Fußballs wohl nicht mehr mit gestalten. Selbst, wenn es mit der Qualifikation noch geklappt hätte, wäre er wohl ausgetauscht worden. Ventura war vielen Italienern ein Dorn im Auge, zu wenig Glanz, zu wenig Temperament und vor allem: Viel zu wenig Durchsetzungskraft. Dass er in einem so wichtigen Spiel wie gegen Schweden den Kreativspieler Lorenzo Insigne auf der Bank ließ und stattdessen gar mit dem Gedanken spielte, Daniele De Rossi, einen 34-jährigen Defensivspezialisten zu bringen, spricht Bände. „Ich glaube, das ist die größte Enttäuschung meines Lebens“, sagte Barzagli. „Es ist ein schwarzer Moment für unseren Fußball, und ein tiefschwarzer für uns Spieler“, kommentierte De Rossi. Nach dem Spiel habe eine Atmosphäre wie bei einem Begräbnis geherrscht. „Dabei ist niemand gestorben.“

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