DFB-Präsident Grindel erwägt Boykott der Katar-WM

Plötzlich bewegt der DFB sich doch. Jahrelange Meldungen über menschenunwürdige Ausbeutung von etlichen Bauarbeitern in Katar hatten den DFB genauso wenig in der Frage schwanken lasse, ob man die WM 2022 überhaupt im Wüstenstaat Katar austragen soll, wie mangelnde Menschenrechte für Frauen, Homosexuelle und andere Gruppen. Doch seit eine von Saudi-Arabien angeführte arabische Allianz nicht nur die diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen hat, sondern auch den Handel und Verkehr mit dem kleinen Land einstellen will, hat Reinhard Grindel plötzlich eine andere Meinung. Zwar seien es noch fünf Jahre bis zur Austragung der WM 2022 in Katar. Zudem müsse man alle anderen Lösungen für die Situation einem Boykott vorziehen. Doch mit dieser Formulierung schließt Grindel erstmals nicht aus, dass ein Boykott der WM durch den DFB durchaus denkbar wäre.

Blockade von Katar durch etliche Nachbarstaaten

Ein großes Turnier der FIFA könne nicht in einem Land ausgetragen werden, das aktiv den Terror in der Welt unterstützt. Genau das hatten Saudi-Arabien, Ägypten, Bahrein und weitere Länder der Region nämlich als Anlass genannt, warum man nicht mehr mit Katar kooperieren werde. Dabei ist unstrittig, dass auch Saudi-Arabien selbst Terroristen unterstützt hat, allerdings wohl mit anderer Ausrichtung als der IS, der angeblich von Katar aus finanziell unterstützt werde. Außerdem sollen militante Mitglieder der Muslimbrüderschaft in Ägypten in Katar Unterschlupf gefunden haben. Merkwürdig an der gesamten Angelegenheit ist, dass das alles keine großen Neuigkeiten in Bezug auf Katar sind, der DFB darin aber bislang keinen Anlass sah, grundsätzlich gegen die Ausrichtung der WM 2022 in Katar zu protestieren. Noch dazu hat Grindel seit kurzer Zeit einen Sitz im FIFA-Council, wo er diese Themen auch von sich aus hätte zur Sprache bringen können.

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FIFA äußerst sich vorerst nicht zum Thema

Die FIFA selbst äußerte sich zu dieser Wendung der politischen Lage im Nahen Osten nicht, mit Verweis darauf, dass man mit den Entscheidern der WM in Katar in engem und regelmäßigem Kontakt stehe. Katar wies die Vorwürfe aus Saudi-Arabien weit von sich. Meldungen auf staatlichen Newsportalen Katars, die den Iran lobten und die sunnitischen Nachbarländer kritisiert habe, seien von Hackern eingestellt worden. Zudem warf Saudi-Arabien Katar vor, Bestrebungen anzustellen, die Gesellschaft in Saudi-Arabien zu spalten. US-Außenminister Rex Tillerson appelierte an die Beteiligten Staaten, ihre Konflikte beizulegen. Die USA hatten erst vor wenigen Tagen Waffen im Wert von 110 Millionen Dollar an Saudi-Arabien verkauft, besitzen aber auch eine große Militärbasis in Katar.

Viele weitere Gründe sprechen gegen Katar

Wie ernst Grindels Erwägung eines Boykotts durch den DFB tatsächlich ist, muss sich noch zeigen. Eine WM ist auch für den DFB eine der wichtigsten Einnahmequellen rund um die Nationalmannschaft. Neben des nun wieder aktuelle gewordenen Themas der Terrorförderung durch Katar waren schon lange auch die vielen anderen widrigen Umstände der Austragung einer Fußball-WM in Katar kritisiert worden. Dazu zählen neben den ungünstigen klimatischen Bedingungen, die eine Verlegung in den Winter nötig machten auch die fehlende Fußballkultur in dem winzigen Land, das gerade mal so groß wie Hessen ist. Hinzu kommen ständige Korruptionsvorwürfe bei der Vergabe der WM nach Katar. Nun könnte eine generelle Absage des Turniers dort doch noch wahrscheinlich werden, nachdem die FIFA sich lange Zeit in dieser Frage keinen Millimeter bewegt hatte.

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