Brasilien und der Weg zur Weltmeisterschaft 2018 in Russland

Die Demütigung bei der Heim WM 2014

Wie stark Psychologie eine Mannschaft im Fußball beeinflussen kann, haben die Brasilianer 2014 am eigenen Leib zu spüren bekommen. Es war die Verletzung von Neymar, die dem Team, das durchweg aus Superstars bestand, so zugesetzt hat. Jeder von uns hat sicherlich noch das Spiel im Estádio Governador Magalhães Pinto vor dem geistigen Auge: Am 8. Juli 2014 gegen Deutschland waren die Gastgeber nur noch ein Schatten ihrer Selbst. Marcelo, Dante, David Luiz, Fernandinho, Hulk, Oscar – allesamt hoch dekorierte Spieler – konnten gegen Klose, Müller, Schweinsteiger und Boateng nichts ausrichten und verloren 1:7. Die Mannschaft wurde regelrecht vorgeführt und gedemütigt. Dieses Spiel wird weder in Deutschland und schon gar nicht in Brasilien jemals vergessen werden. Im kollektiven Bewusstsein aller Brasilianer ist dieses Spiel als „Mineiracao“ (sinngemäß etwa „Schock von Mineirão“) verankert. Mittlerweile ist das Ergebnis „7:1“ (portugiesisch: „sete – um“) im brasilianischen Sprachgebrauch zur Metapher einer vernichtenden Niederlage geworden, „Tor für Deutschland“ (portugiesisch: „gol da Alemanha“) wird als Ausruf nach einem Missgeschick verwendet. Brasilien verlor im Anschluss auch das Spiel um Platz drei gegen die Niederlande mit 0:3.

Das Aus bei der Copa 2015

Nach der Weltmeisterschaft musste also ein Neuanfang her. Mit mehr oder weniger erfolgreichen Freundschaftsspielen versuchte die Mannschaft, verloren gegangenes Selbstvertrauen wieder zurückzugewinnen. Dann kam das Jahr 2015 und die ersten Pflichtspiele – die sich wenig vielversprechend entwickelten. Bei der Copa América begann die Gruppenphase mit einem 2:1 Sieg über Peru, gefolgt von einer 0:1 Niederlage gegen Kolumbien, bei der Neymar eine Rote Karte sah. Das anschließende Spiel gegen Venezuela konnte zwar gewonnen werden, doch im Viertelfinale scheiterte Brasilien im Elfmeterschießen an Paraguay.

Foto: Imago/Photosport

Der schlechte Start in die WM-Qualifikation

Auch in der Qualifikation für die Weltmeisterschaft lief es nicht wie gewollt. Mit einem 0:2 gegen Chile begann der Wettbewerb verhalten, das 3:1 gegen Venezuela war hingegen keine große Überraschung. Das 1:1 gegen Argentinien kostete weitere Punkte und mit dem 3:0 gegen Perus konnte die Tabellenführung nicht zurückgewonnen werden.

Aus in der Vorrunde: Die Copa 2016

Ein weiterer Tiefpunkt war die Copa América des folgenden Jahres 2016. Hier schied die Mannschaft bereits in der Gruppenphase nach einem torlosen Remis gegen Ekuador, einer Niederlage gegen Peru (0:1) und einem bedeutungslosen 7:1 gegen Haiti aus – Im Anschluss an das Turnier legte Carlos Dunga erneut sein Amt als Nationaltrainer nieder. Neuer Trainer wurde Tite. Unter ihm blühte die Selecao wieder mehr auf, gewann nach der Copa jedes Spiel in der WM-Qualifikation und schaffte schließlich weit vor dem Ende des Wettbewerbs den Sprung nach Russland.

Mit diesen Spielern will Brasilien 2018 den Titel zum sechsten Mal holen

Wie immer ist auch dieses Mal der Kader der Brasilianer gespickt mit Superstars, die allesamt im Ausland ihr Geld verdienen und deren Namen über die Landesgrenzen hinaus in aller Munde sind. Der größte Star ist und bleibt Neymar. Der 25-jährige wechselte in diesem Sommer für die Rekordsumme von 222 Millionen Euro vom FC Barcelona zum FC Paris Saint-Germain und wirbelt derzeit die gesamte Ligue 1 durcheinander. Doch auch andere Spiele des aktuellen brasilianischen Kaders sind nicht zu verachten:

  • Philippe Coutinho (FC Liverpool)
  • Roberto Firmino (FC Liverpool)
  • Alex Sandro (Juventus Turin)
  • Marquinhos (FC Paris Saint-Germain)
  • Willian (FC Chelsea)
  • Casemiro (Real Madrid)
  • Gabriel Jesus (Manchester City)
  • Ederson (Manchester City)
  • Paulinho (FC Barcelona)

Der Coach: Tite wünscht sich eine lange Amtszeit

Tite ist ein Trainer, der nicht die ganz großen Klubs trainiert hat und daher international noch keine Rolle gespielt hat. Er trainierte die Corinthians, Al-Wahda FC und Al-Ain FC in den Emiraten sowie noch verschiedene andere brasilianische Vereinsmannschaften, die hierzulande so gut wie niemand kennen dürfte. Dennoch schaffte er das kleine Wunder und baute die Mannschaft neu auf. Sein Vorbild dabei ist Bundestrainer Joachim Löw: „Ich begehre das, was ich bei Deutschland und anderen Verbänden sehe“, sagte der 56-Jährige. „Daran gedacht habe ich, aber das ist noch Utopie“, antwortete Tite zudem auf die Frage nach einem Vertrag weit über die WM-Endrunde in Russland im kommenden Jahr hinaus. Denn eines hat in Brasilien seit jeher Tradition: Trainer werden nie länger als vier Jahre angestellt. In Südamerika wird halt nur in WM-Zyklen gedacht.

Die Erfolge der Seleção

Natürlich wünscht sich jeder Brasilianer, dass im kommenden Jahr an die großen Erfolge angeknüpft werden kann, der nächste WM-Titel würde der Nation viel bringen. Hier die bisherigen Erfolge der brasilianischen Nationalmannschaft:

  • Weltmeister: 1958, 1962, 1970, 1994, 2002
  • Copa América: 1922, 1949, 1989, 1997, 1999, 2004, 2007
  • Confed-Cup: 1997, 2005, 2009, 2013
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